Selbstbestimmt schlafen gehen

Bei uns ist das  Schlafen gehen seit etwas über einem halben Jahr ein richtig schwieriges Thema. Damals wollten die Kinder plötzlich keinen Mittagsschlaf mehr machen - von drei Stunden auf null, puh! Eine Weile haben wir noch versucht, sie zum Mittagschlafen zu überreden, eine zeitlang haben wir es auch versucht einzufordern. Doch das war alles andere als schön für uns alle. Sie haben sich meist über Stunden gegen das Schlafen erfolgreich gewehrt, sind dann schließlich doch noch eingeschlafen, weil sie eben doch super müde waren - doch dann hätten sie bis zum Abend geschlafen und vermutlich die Nacht durchgemacht - es hat alles nicht mehr gepasst.

 

Ein erster Ausweg war für uns, den Mittagsschlaf wirklich abzuschaffen und sie entsprechend früher abends zu Bett zu bringen. Damit sie den Tag halbwegs schaffen konnten, hatten wir eine "Mittagspause" eingeführt, in der sie etwas ruhiges spielen und/oder eine Geschichte anhören konnten. Diese Pause hat ihnen wirklich etwas mehr Energie gegeben, aber auch nach mehreren Monaten haben sie den Tag so noch nicht geschafft und waren schon kurz nach dem Aufstehen am Morgen wieder müde.

 

Deswegen wollten wir Eltern gerne zurück zum Mittagsschlaf. Zumal die frühe Bettgehzeit nun in der helleren Jahreszeit echt schade ist, weil die Freunde in ihrem Alter noch Mittagsschlaf machen und es kaum noch Zeit gab, wo man sich treffen könnte. Die Argumente haben unseren Kindern eingeleuchtet, so dass es ein paar Tage wieder mit Mittagsschlaf geklappt hatten - und das war soooo schön! Es war wieder Energie da für Unternehmungen - ich habe es genossen :) Mindestens genauso sehr enttäuscht war ich dann, als die Kinder die Mittagszeit doch wieder nicht zum Schlafen nutzen wollten.

 

Wenn man unzufrieden ist, ist man ja bereit für Veränderungen - das ist das Gute ;-)

 

Ende letzter Woche haben wir etwas Neues gewagt. Wir wollten versuchen, die Kinder bestimmen zu lassen, wann sie schlafen möchten (in der Hoffnung, sie würden merken, wenn sie müde sind und sich dann gerne hinlegen, wenn sie sich nicht mehr hinlegen müssen, wenn wir es ihnen vorschreiben).

Ganz so weit sind wir noch nicht und ehrlich gesagt, schwanke ich manchmal noch, ob dieser Weg wirklich zu uns passt, gut für unsere Kinder ist ... Ihnen fehlt wirklich eine Menge Schlaf und da frage ich mich schon - ist es so wirklich gut für unsere Kinder? Und doch sieht man da eine Entwicklung, die mich hoffen lässt, dass es irgendwann doch unseren Alltag entspannt, wenn die Kinder selber entscheiden können, wann sie sich zum Schlafen hinlegen möchten. Hier mal eine Art Tagebuch...

 

Sonntag: Wir machen die beiden um halb acht rum bettfertig und begleiten sie in ihr Zimmer. Sie brauchen uns nicht zum Einschlafen, ihnen geht es gut, wenn sie im gleichen Zimmer einschlafen können. Wir lesen noch eine Geschichte gemeinsam, dann bekommt jedes Kind eine Lampe ans Bett, sie dürfen noch Bücher ansehen und sich hinlegen, wenn sie müde sind. Wir machen ab, dass der andere nicht vom Schlafen abgehalten werden soll.

An diesem Abend schlafen sie gegen halb zehn erschöpft nebeneinander auf der Matratze, die zwischen ihren beiden Betten liegt, ein. Die Lampen sind noch an, Bücher liegen noch auf dem Schoß. Ein super süßes Bild.

 

Montag: Gleiches "zu-Bett-geh-Ritual" wie am Sonntag. Etwa die gleiche Uhrzeit. Die Kinder schlafen gegen neun ein, ein Kind hat es in sein Bett geschafft, das andere schläft auf der Mittelmatratze beim Buch anschauen ein.

 

Dienstag: Inzwischen ist ein Paket angekommen - wir haben kindersicherere Lampen und einen CD-Player als Unterstützung bestellt. An diesem Abend wollen sie gerne eine CD anhören und nebenbei Bücher anschauen. Einschlafzeit gegen acht Uhr. Jedes Kind in seinem Bett. Nur die Lampen müssen noch gelöscht werden.

 

Bis zu diesem Tag war ich schon fast der Überzeugung, unser Experiment war erfolgreich, so machen wir es jetzt immer. Die Tage verliefen sehr entspannt, gemütlich.

 

Mittwoch: Übliche Bettbringzeit, die Kinder schlafen schon kurz nachdem wir aus dem Zimmer gegangen sind in ihren Betten ein, ein Kind hat sein Licht gelöscht! (für mich ein Zeichen, dass es sich ganz bewusst fürs Schlafen entschieden hat)

Der Tag allerdings war ganz schön anstrengend. Sie wollten nicht einmal zur Krabbelgruppe, die sonst noch sehr beliebt bei uns ist. Zu müde zum aus dem Haus Gehen.

 

Donnerstag: Ich versuche die Bettbringzeit nach vorne zu rücken um so mehr Schlafenszeit zu erreichen. Sie brauchen etwas bis sie eingeschlafen sind, um halb acht ist es leise - und die Lampen beider Kinder sind gelöscht :)

 

Auch dieser Tag war anstrengend - für die Kinder und für mich.

 

Freitag: Ich habe viele sonst beliebte Ideen für den Tag, doch sie finden keinen Anklang. Die beiden wollen gerne Zuhause sein. Spielen viel miteinander, die Geduld ist nicht mehr so groß, aber sie raufen sich erstaunlich gut immer wieder zusammen. Während ich das Mittagessen vorbereiten möchte, sagt ein Kind, dass es gar nicht mehr fit ist und schlafen möchte. Kind zwei möchte auch mitschlafen - vor dem Essen - egal, das machen wir ;-) Klappt nur leider nicht. Sie haben sich wieder wachgeplappert... Doch Kind eins ruft kurz darauf etwas verzweifelt, dass es immer noch nicht fit ist und nun wirklich schlafen will - also nochmal ins Bett, es schafft es einzuschlafen und schläft 1 1/2 Stunden, juhu :) Kind zwei geht währenddessen im Kneten auf.

 

Etwas Sonne rettet unseren Nachmittag. Wir haben eine super-tolle Zeit beim Matschen im Sand! Sieben Uhr ist Bettbringzeit, kurz vor acht sind sie eingeschlafen, werden dann doch nochmal wach. Um halb neun höre ich wie das noch wache Kind ins Bett klettert - nun ist es auch bereit zum Schlafen.(Kind eins hat wohl beim Mittagsschlaf gut auftanken können :)).

 

Die Woche war wirklich herausfordernd für mich, einige Hochs und Tiefs...

 

Ich hätte nicht erwartet, dass die beiden so müde so gut miteinander spielen können. Es waren sehr wilde Spiele, das kennen wir nicht so von ihnen (und ich liebe es anders), aber sie haben fast nicht gestritten und wenn es Unstimmigkeiten gab, konnten sie sie selber regeln. Das fand ich super klasse.

Mir hat die gemeinsame schöne Zeit gefehlt. Zeit mit Unternehmungen. Draußen sein. Wobei es das Wetter auch erschwert hat.

 

Ich habe das Gefühl, dass sie sich nun ernster genommen fühlen. Und das tat ihnen gut - hat allerdings auch Raum geschaffen, mehr von dem in Frage zu stellen, was bisher "normal" war.

Wir hatten keine Diskussionen um die Zu-Bett-bring-Zeit.

 

 

Wenn ich die Woche so Revue passieren lasse, bin ich optimistisch, dass das ein wirklich guter Weg für uns werden könnte und möchte es noch eine weitere Woche so versuchen.

 

Vielleicht denkst du, mit regelmäßiger "Zu-Bett-bring-Zeit" ist es gar nicht so richtig selbstbestimmtes schlafen gehen. Für uns ist es aber doch ein riesen Schritt in diese Richtung. Und wir denken - die Kinder können noch keine Uhr lesen, durch die Zu-Bett-bring-Zeit wollen wir ihnen eine Orientierung im Tag geben. Sie entscheiden trotzdem selber, ob sie schon schlafen wollen oder noch eine zeitlang Bücher anschauen.

 

Ich selber muss mich auch immer wieder anhalten, nicht zu spät ins Bett zu gehen. Oft hätte ich noch tausend Ideen, die am liebsten sofort umsetzen würde oder ich bleibe irgendwo im Internet hängen und würde die Schlafenszeit am liebsten weiter hinauszögern. Mir hilft es da selbst einen Orientierungspunkt zu haben, wann ich (eigentlich) ins Bett möchte, damit ich am nächsten Morgen nicht total unausgeglichen bin.

Hast Du Erfahrung mit selbstbestimmtem Schlafen gemacht?

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Kommentare: 2
  • #1

    Sabine (Donnerstag, 08 Juni 2017 11:31)

    Liebe Petra
    Und, wie läuft es bei euch?
    Wir haben ja auch selbstbestimmte Schläfer, haben wir beide schon darüber gesprochen? Das erste halbe Lebensjahr von unserem Grossen waren mein Mann und ich noch der Meinung, wir wüssten am besten wann und wie er zu schlafen hatte aber er hat uns schnell eines Besseren belehrt. Das Ergebnis dieses Umdenkens und Umplanens: Bis heute (4 Jahre) war er gefühlt noch nie über den Punkt (davon höre ich immer wieder von Anderen in meinem Umfeld), er hat ein unglaublich gutes Gespür für sich und seine Müdigkeit. Beispielsweise will er auch bei Besuch oder einem tollen, späten Angebot der Grosseltern, Silvester oder anderen ausserordentlichen Dingen in aller Regel genau dann ins Bett wenn sich die Müdigkeit bei ihm meldet und er dafür auf etwas verzichtet was er eigentlich mag. Er liebt es zu Schlafen und springt freudig in unser Familienbett, WENN seine Zeit gekommen ist. Auch ohne Uhr stellt sich bei ihm seitdem er ein halbes Jahr alt ist und wir dies genau beobachten nach einer kurzen Umstellungsphase immer ein gleichbleibender Rhythmus ein den er von sich aus dann über längere Zeit einhält. Etwas Schwierigkeiten hatte er nur, als er mit 3,5 Jahren entschieden hatte, mittags nicht mehr schlafen zu wollen. Er kämpfte gegen die Nachmittagsmüdigkeit an ("Puh, ich bin so müde aber ich will nicht schlafen, hab keine Zeit") aber nach wenigen Wochen hat es geschafft und es hat für ihn wieder gepasst. Selbstbestimmt schlafen heisst für uns, dass die Kinder ins Bett gehen sobald sie müde genug sind und dies möchten. Bei der Kleinen (1 Jahr) machen wir das von Anfang an so, dass sie sobald sie Müdigkeitsanzeichen wie Augen reiben zeigt, wir sie ins Tragetuch packen oder (abends) hochgehen und das Abendritual gemeinsam beginnen. Auch bei ihr ist Schlafen gehen ein freudiges Ereignis. Der Grosse sagt uns wann es Zeit ist oder wir fragen nach, wenn wir das Gefühl haben und er noch im Spiel versunken ist. Viele Jahre hat er mittags drei Sunden geschlafen und ist abends dann um ca. 22 Uhr, manchmal auch später (bis 23:30 Uhr) ins Bett. Bis zu seinem 2. Geburtstag habe ich ihn für jeden Schlaf (auch wenn er nachts aufgewacht ist) auf meinem Arm oder im Tragetuch in den Schlaf getragen, mittlerweile schläft er liegend und kuschelnd in meinem Arm ein. Die Kleine hat abends und nachts schon jetzt nicht mehr das Bedürfnis getragen zu werden. Auf die Idee alleine einschlafen zu wollen ist der Grosse einmal gekommen weil er recht überrascht bis irritiert war, dass andere Kinder dies tun. Von uns kennt er nur das Familienbett. Er hat es dann in unserem Familienbett ausprobiert (es hat geklappt) aber er zieht es seit dem wieder vor, bei uns zu bleiben bis die Müdigkeit gross genug ist und ich dann zum Einschlafen mit ihm ins Bett komme. Wir erzählen dann kurz vom Tag, planen den nächsten und dann schläft er innerhalb weniger Minuten in meinem Arm ein. Bis auf diese eine Nacht ist er noch nie alleine eingeschlafen und auch noch nie ohne mich, nicht einmal am Tag der Geburt seiner kleinen Schwester. Auch im Krankenhaus hatten wir ein Familienbett. Mittlerweile hat er einen recht "normalen" Rhythmus (wenn ich mit Gleichaltrigen vergleiche). Er wacht eigentlich immer um 7 Uhr (oft auf die Minute) auf, schläft mittags nicht mehr und möchte um Punkt 21 Uhr ins Bett. Die Kleine hat ihren Rhythmus dem Grossen angepasst oder es ist Glück. Sie schläft mittags allerdings noch ca. 3 Stunden und ist dann abends um 21:30 Uhr müde genug für den Nachtschlaf. Auch sie wacht meist um 7 Uhr auf. Sie zieht die Einschlafbegleitung durch Papa vor.
    Ab 20 Uhr ist bei uns die Spielezeit mit den Eltern vorbei und es wird aufgeräumt und mein Mann und ich wünschen uns auch etwas Austausch. Der Grosse darf uns beim Aufräumen helfen, zuhören, mitreden bzw. bei allem dabei sein aber natürlich auch Spielen, letzteres dann aber ohne uns. Dies haben wir Eltern so entschieden damit wir nicht frustriert sind bzw. das Alltagschaos überhand nimmt. Es fühlt sich sehr gut an so. Das ist unser "Selbstbestimmtes Schlafen". Die Zukunftsidee ist, dass auch bei uns irgendwann die Kinder zusammen (und ohne uns) schlafen. Meine Idee wäre ein gemeinsames Doppelbett damit sie auch kuscheln können aber der Grosse träumt von einem Hochbett. Er sagt aber: "Jetzt noch nicht". Wie in vielen Bereichen glaube ich auch hier, dass gestillte Bedürfnisse von selbst verschwinden, d.h. dass sie dann alleine schlafen möchten wenn sie sicher genug dafür sind.
    Liebe Petra, es würde mich freuen, euch mal wiederzusehen.
    Glg Sabine

  • #2

    Petra (Mittwoch, 14 Juni 2017 14:49)

    Liebe Sabine,
    vielen, vielen Dank für deinen ausführlichen Erfahrungsbericht. Ja, ich wusste, dass ihr eure Kinder "selbstbestimmt schlafen" lasst. Ihr wart das "Tröpfchen", weswegen ich es auch ausprobieren wollte :) Gerade haben wir uns da leider wieder etwas zurückentwickelt - da merkt man dann, dass wir (Erwachsene) doch anders geprägt sind. Nach der Woche im KH und einer Woche Urlaub mit Programm, an das wir uns gerne anpassen wollten, stehen wir nun gefühlt fast wieder am Anfang. Ich staune, bewundere euch, wie es bei euch klappt und wie natürlich es erscheint. Total schön! Am Schluss fand ich es bei uns auch schon ganz gut - dass die Kinder sogar selber mal gesagt haben, sie wollten sich mittags hinlegen, fand ich toll - da hatte ich das Gefühl, sie lernen wirklich, selber einzuschätzen, ob sie müde sind oder nicht. Unser "Konzept" würde ich grad gerne noch mal durchdenken, also vor allem in den Feinheiten ist es nicht ganz stimmig finde ich.
    Liebe Grüße,
    Petra