Nähen für mein Sternenkind

Das Wissen um ein neues Wunder in unserem Leben war gerade erst so richtig in unserem Herzen angekommen, als bei einer Routineuntersuchung herauskam, dass unser Wunder nicht mehr lebt. Ein unvorstellbarer Schock, und ich hatte nicht gedacht, dass zu so einem kleinen Menschen schon so eine große Beziehung bestehen kann, obwohl ich es nie in meinen Armen gehalten habe, nie außerhalb meines Bauches kennen gelernt habe. Tausende Gedanken - ständig - gehen durch meinen Kopf. Ich hätte unser Wunder gerne besser geschützt. In eine schützende Decke gewickelt. Ich hätte es so gerne kennen gelernt, aufwachsen gesehen.

 

Meine Ärztin hat mir ein letztes Foto mitgegeben. Für mich war es schön, dieses Foto "einzunähen" einen Bilderrahmen zu nähen, der auf eine Art schützend ist, weich, die Freude über dieses Wunder ausdrückt.

 

Dieses Wunder wird immer Teil unseres Lebens sein, auch wenn wir es nicht mehr sehen, herzen, aufwachsen sehen können. Erst jetzt ist mir bewusst geworden, dass so viele Frauen schon Fehlgeburten erlebt haben. Mir hat es geholfen zu lesen, wie andere Frauen mit ihrer Trauer umgegangen sind. Vielleicht ist die Idee, einen Bilderrahmen zu nähen ja auch für eine andere "Sternenmama" hilfreich und wichtig.

 

Der Rahmen ist aus verschiedenen Baumwollstoffen genäht, das Bild habe ich mit einem Stück Duschvorhang festgenäht, mit Webbändern die Kanten verdeckt. Innen ist der Rahmen mit Vlieswolle ausgelegt, weil ich es gerne weich wollte. Die Ösen dienen als Aufhängung.

Hinten habe ich noch ein Fach mit angenäht. Ich wollte gerne noch einen Brief schreiben.

Dieser Beitrag geht zu creadienstag.

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Kommentare: 8
  • #1

    Nici Gabriel (Mittwoch, 10 Mai 2017 10:57)

    Hallo, mutige Petra!

    Dein Post berührt mich sehr! Vor einigen Jahren ging es uns ähnlich, nur habe ich leider kein Bild von meinem Bauchzwerg... sonst hätte ich das jetzt auch in so einen liebevollen Rahmen gepackt.
    Viele Frauen haben Fehlgeburten, aber kaum eine redet darüber, so ist meine Erfahrung - und ich verstehe das nicht. Reden hilft!!

    Danke für deinen Mut zu diesem Beitrag!! Alles Liebe,
    Nici

  • #2

    Petra (Mittwoch, 10 Mai 2017 14:26)

    Liebe Nici,
    vielen Dank für deine liebe Nachricht! Es tut mir leid, dass du das auch erlebt hast. Hattest du einen Weg für dich gefunden, wie du es verarbeiten konntest?
    Liebe Grüße,
    Petra

  • #3

    Nici Gabriel (Mittwoch, 10 Mai 2017 16:04)

    Den richtigen Weg damit umzugehen muß jeder für sich selbst finden. Ich habe damals wie heute kein Geheimnis daraus gemacht und viiiel geredet. Mein Leitspruch war immer "Alles hat seinen Grund, irgendwann werde ich den Sinn dahinter verstehen".
    Wenige Zeit später (gegen den Rat der Ärzte bin ich gleich wieder schwanger geworden) habe ich dann mein zweites Kind zur Welt gebracht. Es hört sich vielleich komisch an, aber heute bin ich einfach dankbarer für alles, was ich habe, liebe intensiver (dass mir fast mein Herz zerspringt, wenn ich meine zwei Kinder betrachte), bin einfach glücklicher! ...das also war der Sinn hinter diesem schrecklichen Erlebnis.
    Nici

  • #4

    Petra (Donnerstag, 11 Mai 2017 06:50)

    Wie schön, dass ihr dann noch ein Kind bekommen habt. Ich glaube, das hilft auch, um das Vertrauen in den eigenen Körper zurückzugewinnen, die Situation besser anzunehmen.
    Nochmal wegen dem Reden. Ich kann verstehen, wenn man nicht darüber sprechen will. Das will ich auch nicht mit jedem. Weil man glaube ich schwer (so ging es mir) nachvollziehen kann, dass dieser Verlust so schmerzhaft ist, wenn man es nicht selber erlebt hat. Enttäuschung wird glaube ich eher verstanden - weil dieser Traum gerade geplatzt ist und nun wieder eine Wartezeit kommt oder eventuell gar kein Kind mehr. Aber dass man zu diesem kleinen Wunder in seinem Bauch schon eine richtige Beziehung aufgebaut hat, ist schwer zu verstehen. Im KH meinte die andere Patientin in meinem Zimmer, ich hätte es ja gut, weil ich am gleichen Tag noch heimkönnte, dann wäre das ja erledigt. So kam es bei mir an, als ob sie das alles gar nicht schlimm fände und sie nicht verstünde, dass da für mich gerade eine Welt zusammengebrochen ist.

    Danke für deine Ermutigung, dein Erzählen von euren Erfahrungen.
    Liebe Grüße,
    Petra

  • #5

    kreatives Tohuwabohu (Donnerstag, 11 Mai 2017 18:13)

    Liebe Petra
    Sei ganz liebe gedrückt von "rännet em Rhy". Ich trauere mit dir und deiner Familie um euer Sternenkind! Ich kann deinen Schmerz um dein ungeborenes Kind sehr gut verstehen, auch mein erstes Kind wurde direkt in den Himmel hineingeboren... und obwohl ich nicht mal ein Bild habe, vermisse ich das Kleine (das jetzt schon ein Teenager wäre) immer noch sehr.
    Lass dich von deinem Himmelsvater trösten.
    Ganz liebe Grüsse,
    Regula

  • #6

    Petra (Freitag, 12 Mai 2017 06:57)

    Liebe Regula,
    wie schön, dass ihr nach eurem Sternenkind noch so viele Kinder bekommen habt, die ihr aufwachsen sehen könnt! Danke für deine liebe Nachricht. Was heißt denn rännet - ist das dein Spitzname?
    Liebe Grüße,
    Petra

  • #7

    Maria von OstSeeRäuberBande (Freitag, 12 Mai 2017 17:32)

    Liebe Petra,
    was für ein bewegender Text. Und was für eine schöne Idee - ich hoffe sie hilft dir und auch anderen Sternenkind-Mamas ein wenig in dieser schwierigen Zeit.
    Liebste Grüße,
    Maria

  • #8

    kreatives Tohuwabohu (Mittwoch, 24 Mai 2017 07:47)

    oops, das war ein Autokorrekturfehler...
    sollte "ännet em Rhy" heisst "auf der anderen Seite des Rheins"

    Liebe Grüsse,
    Regula